2009-06-20

Google Wave


Google Wave LogoAm 28.5.2009 hat Google, von den meisten unbemerkt, Google Wave vorgestellt. Ich bin gespannt welche Auswirkungen dieser neue Kommunikationsdienst bis zur ersten Public Beta auf die Internetlandschaft haben wird. Der Begriff Kommunikationsdienst wird Wave eigentlich aus zweierlei Hinsicht nicht ganz gerecht. Zum einen, weil er Anwendungsgebiete wie Projektplanung und File-Sharing nicht ausdrücklich einschließt, zum anderen berücksichtigt der Begriff nicht, dass Wave eine Vielzahl eingenständiger Wave-Server vorsieht. Vielleicht wird man in Zukunft sogar von einem WaveNet sprechen.
Zu beschreiben was Googles Wave ist, ist ähnlich schwer wie die Antwort auf die Frage: "Was das WWW?". Denn wie das WWW so wird auch Wave ein Internet-Dienst sein, den man aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Für den Endbenutzer ist es eine neue Client-Software, vergleichbar mit Mail-Clients oder Chat-Clients wie Thunderbird oder dem AOL-Instant-Messenger. Ich lasse mal außer Acht, dass dieser Client zunächst "nur" als Web2.0-Anwendung verfügbar sein wird.
Aus der Perspektive der ISPs ist es eine Server-Software und ein Internet-Protokoll. Das Protokoll legt fest, wie die Kommunikation beim Internet-Dienst Wave abzulaufen hat. Im Unterschied zum klassischen WWW wird der Endbenutzern von der Client-Server-Kommunikation nicht viel mitbekommen, da sie im Hintergrund stattfindet. Dazu wird nahezu jeder einzelne in ein Wave-Dokument eingetippte Buchstabe sofort zum Server übertragen. Umgekehrt überträgt der Server jede Änderung an einem geöffnetem Dokument sofort an den Client. Dabei merkt sich der Sever jeden einzelnen Zeitstempel. So ist man in der Lage, die stattgefundenen Änderungen wie einem Film abspielen zu lassen.
Es können auch mehrere Benutzer gleichzeitig an ein und demselben Dokument arbeiten. Änderungen anderer Benutzer werden dabei in Echtzeit angezeigt und und entsprechend markiert. Es können jederzeit weitere Benutzer zu einem Dokument hinzugefügt werden. Dabei können hinzugefügte Benutzer auch sogenannte Roboter sein. Ein Roboter hat zunächst erst einmal alle Möglichkeiten, die ein menschlicher Benutzer hat. Ein solcher Roboter könnte aber z.B. auch das Geschriebene in einem Blog veröffentlichen und anschließend die im Blog hinzugefügten Kommentare wieder dem Wave-Dokument zuführen.
Wave-Dokumente können nicht nur Text sondern auch Fotos, Videos, Landkarten, Internetlinks, usw. und Diskussionen zwischen den Benutzern enthalten. Die Diskussionen lassen sich bei Bedarf ausblenden, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Ein Wave-Dokument wird nur auf dem Server permanent gespeichert, kann aber jederzeit bearbeitet, kommentiert oder mit anderen Dokumenten verknüpft werden.
Was wird sich durch Wave ändern? Wenn man Wave zum Chatten einsetzt werden einem die Eingaben des Gesprächspartners Buchstabe für Buchstabe angezeigt. Man kann also schon anfangen die Nachricht zu lesen, bevor sie zu Ende geschrieben und abgesendet wurde. Außerdem lassen sich Fehler auch noch nach dem "Absenden" korrigieren.
Wenn man Wave als Ersatz für E-Mail verwendet wird die Anzahl der Nachrichten reduziert, da sich Nachricht, Antwort und die Antwort auf die Antwort in ein und demselben Wave-Dokument befinden. Wenn der Titel der Nachricht nicht mehr passt kann er jederzeit geändert werden. Eine Mail kann auch gleichzeitig ein kollaborativ bearbeitetes Dokument sein.
Wenn man Wave zum Bloggen einsetzt, dann kann man den Blog mit demselben Werkzeug erstellen mit dem man auch seine Mails schreibt oder mit dem man chattet. Wenn man Teile aus Mails oder Chats in einem Blog verwenden will muss man nicht zwischen Anwendungen oder WWW-Seiten "hin- und herspringen".
Durch die Erweiterbarkeit von Wave ergeben sich weitere Anwendungsmöglichkeiten wie Wikis, Projekt-Management, Twitter-, Facebook-, E-Mail-Integration usw.. So demonstrierten die Wave-Entwickler z.B. eine Erweiterung die das Schachspielen über Wave erlaubt oder Eingaben automatisch in andere Sprachen übersetzt.
Da der Wave-Client eine Web2.0-Anwendung ist, läuft er prinzipiell auch auf Smartphones und PDAs. Die Entwickler zeigten ihre Software auch schon auf Apples iPhone.
Wave kann kostenlos und frei verwendet werden, da es Open Source sein wird. Wave-Server dürfen überall installiert werden. Es können auch eigene Software für Wave-Server oder Wave-Clients entwickelt werden. Es ist keine Anmeldung bei Google erforderlich, um Wave zu nutzen. Stefan Münz meint sogar, dass wahrscheinlich alle großen Mailanbieter wie GMX, Yahoo usw. ihren E-Mail-Kunden anbieten werden, Wave über ihre bestehende Mailadresse zu nutzen und das es sicherlich auch Drittanbieter geben wird, die versuchen, über Wave Geld zu verdienen. …
Zur Zeit ist Google Wave allerdings nur für Entwickler verfügbar. Ende des Jahres soll es einem breiterem Publikum zugänglich gemacht werden.
Quellen: webkompetenz.wikidot.com/blog:8 (Stefan Münz)
webkompetenz.wikidot.com/blog:13 (Stefan Münz)
heise.de/newsticker
googlesystem.blogspot.com
googleblog.blogspot.com
wave.google.com

Kommentare:

Phil hat gesagt…

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skreutzer hat gesagt…

Ich verstehe nicht ganz, warum die Kommunikation unbedingt live (in Echtzeit) passieren muss. Es wäre doch genausogut denkbar, dass ich die aktuelle Version eines gemeinsam bearbeiteten Dokuments abrufe, lokal viele Änderungen mache und das Ergebnis dann wieder als meine Variante veröffentliche, die zu diesem Zeitpunkt freilich abweicht von dem, was andere Leute in der Zwischenzeit gemacht haben, nur ist das weniger schlimm, wenn ich auch Funktionen habe, um die Varianten wieder zusammenzuführen, wobei manche abweichenden Teile natürlich beibehalten werden können, während andere Abschnitte in einen Variantenzweig einfließen und übernommen werden können, um dann wieder die Basis für weitere dezentrale, unkoordinierte oder koordinierte Arbeit zu sein. Ich finde auch wichtig, dass der Client immer die Quelle der eigenen Dokumente als auch möglichst Kopien fremder Dokumente lokal dauerhaft abspeichert, damit der potentielle Wave-Server nicht der single point of failure und damit eine Abhängigkeit ist. Wo verschiedene Dienste und Formate zusammenwirken sollen, könnte man mal mit Konnektoren und Konvertern beginnen, jedenfalls immerhin für Datenbestände von brauchbarer technischer Qualität. Dass E-Mail grundlegend überarbeitet werden muss, ist glaube ich ziemlich klar, wobei nicht unbedingt der Abruf- und Versendemechanismus problematisch ist, sondern das, was E-Mail-Clients damit machen, wofür die das benutzen. Ist ziemlich in die Jahre gekommen und bloß HTML da reinzutun, macht es zwar bunter, aber noch lange nicht besser.